Gender Talk
Gender Talk: White Ribbons neue Gesprächs- und Vortragsreihe 2011
White Ribbon Österreich veranstaltet im Jahr 2011 eine Gesprächs- und Vortragsreihe mit Schwerpunkt auf das Thema Männlichkeit(en) aus den verschiedensten Perspektiven und stellt geschlechterreflektierende Forschungsprojekte vor. Die diskutierten Inhalte und dargestellten Vorträge sollen einen Beitrag zu einem erweiterten Verständnis von Geschlechter- Rollenbildern in unserer Gesellschaft liefern. Allfällige Meinungen und Schlussfolgerungen aus den Referaten und Forschungsergebnissen geben die Meinung der Vortragenden wieder und sollen Reflexionsprozesse anregen.
Organisation: Manfred Mercnik, Gerhard Meschnigg und Peter Jedlicka
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15.02.2012
Vortrag von Rolf Pohl
"Gibt es eine Krise der Männlichkeit? Über Antifeminismus und Weiblichkeitsabwehr in der neuen deutschen 'Männerbewegung' "
Ort: Albert Schweitzer Haus, Schwarzspanierstraße 13, 1090 Wien
Zeit: 19:00
Es gibt keine aktuelle Krise der Männlichkeit, denn in männlich dominierten Kulturen und Gesellschaften ist Männlichkeit grundsätzlich ein fragiles und krisenhaftes Konstrukt. Die verbreiteten Klagen über die „Krise der Männer“, die „benachteiligten Jungen“ und die „entsorgten Väter“ sind eine rückwärtsgewandte Reaktion auf die marktradikale Verschärfung des gesellschaftlichen Krisengeländes, die immer wieder mit misogynen (frauenfeindlichen) Schuldzuweisungen einhergeht. Eine kritische Auseinandersetzung mit der Überlagerung gesellschaftlicher und geschlechtlicher Ungleichheitslagen schrumpft bei vielen diskursbestimmenden Ansätzen auf das manichäistische, die Welt der Geschlechterbeziehungen in „gut“ und „böse“ unterteilende Bild eines die Männer beherrschenden und diffamierenden „Feminats“ zusammen. Vor diesem Hintergrund kann die daran entzündete, selbsternannte „Männerbewegung“ als Backlash, als antifeminine und antifeministische Gegenbewegung im Rahmen einer allgemeinen Re-Maskulinisierung der Gesellschaft interpretiert werden. Der Vortrag wird diese Entwicklung kritisch nachzeichnen und mit einem eigenen Ansatz zur Konstitution der von einem grundlegenden Dilemma gekennzeichneten Struktur von Männlichkeit in Gesellschaften mit männlicher Hegemonie konfrontieren.
Prof. Dr. Rolf Pohl lehrt am Institut für Soziologie/Fach Sozialpsychologie der Leibniz Universität Hannover.
Lehr- und Forschungsschwerpunkte: Psychoanalyse und psychoanalytische Sozialpsychologie, Sozialpsychologische Jugendforschung, Politische Psychologie, Sozialpsychologische und sexualwissenschaftliche Männlichkeits- und Geschlechterforschung
Terminarchiv
25.11.2011:
Resilienz bei Jugendlichen aus gewaltbelasteten Familien
Im EU-Forschungsprojekt STAMINA (Daphne III; 2009-2011) wurden Faktoren, die zu Gewaltresilienz bei Jugendlichen beitragen, untersucht. Hauptfragestellung war, warum manche Jugendliche, die in gewaltbelasteten familiären Kontexten aufwachsen, sich positiv (d.h. keine Gewalttätigkeit, keine depressiven Tendenzen) entwickeln.
Im Rahmen einer Querschnittstudie wurde eine schriftliche Befragung zur Gewaltsozialisation mit 3500 Jugendlichen in vier Ländern druchgeführt (Deutschland, Österreich, Spanien, Slowenien. In der Steiermark wurden 724 Jugendliche befragt). In Interviews mit 120 Jugendlichen wurden Resilienzfaktoren, die ungünstige Ausgangsbedingungen auszugleichen vermögen, weiter untersucht.
Faktoren, die Gewaltresilienz fördern, wurden auf der Ebene der Persönlichkeitsentwicklung, der Mikro-Ebene zwischenmenschlicher Beziehungen, der Meso-Ebene, der inner- und extrafamiliären Alltagsorganisation und der Makro-Ebene der Wirkung gesetzlicher Regelungen sowie sozilaer Institutionen beleuchtet. Die Auswertungen, die gegenwärtig druchgeführt werden, weisen auf relevante einflüsse auf den verschiedenen Ebenen hin (z.B. emotionale Selbstkontrolle, Kontakt mit vertrauten Personen, aufmerksame und effiziente Institutionen).
Mag.a Elli Scambor, Dr Christian Scambor
Forschungsbüro Männerberatung Graz
28.09.2011:
Ort: Depot: Breitegasse 3, 1070 Wien
19:00 Uhr
"Making Sex" - auch biologisches Geschlecht ist gesellschaftlich gemacht
Biologisches Geschlecht erscheint vielen als "sicher", als "natürlich" im Sinne von vorgegeben und unabänderlich. Das ist es nicht. Auch bei den einzelnen biologischen Konzepten über Geschlecht - genauso wie bei den historischen - handelt es sich um Theorien. Sie sind Resultat einer gesellschafltichen Ordnung, die zwei Geschlechter unterscheidet . und die in der Bundesrepublik Deutschland noch immer nicht vor menschenrechtsverletzender Gewalt zurückschreckt,wenn es darum geht, eindeutig "weiblich" oder "männlich herzustellen. Heinz-Jürgen Voß arbeitet heraus: Mit den aktuellen biologischen und medizinischen Theorien über Geschlecht sind besser viele Geschlechter erklärbar, als nur zwei oder drei.
Biografische Notizen:
Heinz-Jürgen Voß studierte Biologie und promovierte zu biologischen Geschlechtertheorien; weitere Forschungsschwerpunkte sind feministischeWissenschaftskritik, Queer theory und queer politics. Voß ist antifaschistisch, antirassistisch und queer-feministisch politisch aktiv. Aktuelle Veröffentlichungen sind: "Making Sex Revisited: Dekonstruktion des Geschlechts aus biologisch-medizinischer Perspektive" und "Geschlecht: Wider die Natürlichkeit".
Kontakt: www.heinzjuergenvoss.de , voss_heinz@yahoo.de
Gender Talk: Gender Balance
01.06.2011 um 19:00 Uhr in der Senefeldergasse 11/8, 1100 Wien
Genderbalance: Über die Zusammenhänge zwischen Gleichberechtigung, Wohlstand und Frieden.
Die reichsten Länder der Welt sind auch jene mit der der am
weitest fortgeschrittenen Gleichberechtigung zwischen Frauen und
Männern.
Ausgehend von dieser Beobachtung vergleicht der Soziologe Peter
Jedlicka internationale Statistiken zu Wirtschaftswachstum, Frieden
und Lebensqualität um daraus Schlüsselfaktoren moderner Staaten
herauszufiltern und zu dem Ergebnis zu kommen:
„Gleichberechtigung ist kein Frauenthema – es ist die
Schlüsselkategorie für jede Politik, die sich dem Wohlstand und
dem Wohlbefinden der Menschen verpflichtet fühlt und damit ein
Gradmesser für die Modernität eines Landes.“
Peter Jedlicka, Soziologe aus Wien präsentiert die wichtigsten Thesen aus seiner Publikation "Gender Balance", in der er internationale Gender-Statistiken mit Wohlstands-Statistiken verglichen hat.
Migration - Männlichkeit - Gewalt
23.03.2011 um 19:00 Uhr in der Senefeldergasse 11/8, 1100 Wien
Dominante Bilder, kritische Zugänge und Fragen für eine antirassistische Männerarbeit.
Kriminell, patriarchal, gewalttätig, etc. - wenn heute über Männer und Buben mit Migrationshintergrund gesprochen wird, so zumeist im Zusammenhang mit Problemen, diediese haben und machen. In dieser Veranstaltung sollen die herrschenden Bilder über "gefährlich fremde Männlichkeit" hinterfragt werden und alternative Perspektiven auf komplexe Realitäten der Männlichkeitskonstruktion im Migrationskontext entwickelt werden. Vor diesem Hintergrund sollen gemeinsam Möglichkeiten und Facetten antirassistischer Männerarbeit ausgelotet werden.
Paul Scheibelhofer lehrt Migrations- und Rassismusforschung sowie kritische Männlichkeitsforschung an den Universitäten Wien, Graz und innsbruck.
Den Vortrag im MP3-Format, sowie die Bilder dazu im PowerPointFormat finden Sie unter diesem Link.
Die Trauer der Väter: Erfahrungen und Trauerbewältigung von Vätern, die ihre Kinder kurz vor, während oder kurz nach der Geburt verloren haben.
19.01.2011 um 19:00 Uhr in der Senefeldergasse 11/8, 1100 Wien
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Frau Mag.a Claudia Jäger, Pflegewissenschafterin, stellt die Ergebnisse ihrer Diplomarbeit vor:
"Optimale Vorsorge während der Schwangerschaft und modernste Unterstützung bei der Geburt können leider nicht alle perinatalen Todesfälle verhindern. Dieses Ereignis stürzt die Eltern in eine tiefe Krise. Die vorliegende Arbeit befasst sich mit den Vätern totgeborener Kinder. Im Rahmen der Literaturrecherche wurden Studien, die sich mit Vätertrauer auseinandersetzten, dargestellt und spezifische Themen, wie das unterschiedliche Trauerverhalten von Frauen und Männern, die Trauer-Eigenschaften und Bewältigungsstrategien von Vätern, sowie die Empfehlungen der Literatur an Pflegepersonen zusammengefasst."
WHITE RIBBON